Manchmal hat man es als Morbus Crohn Patient und Teilzeit-Vegetarier nicht ganz so einfach auf seine nötige Kalorienzufuhr und Vitamine zu kommen. Bevor ich mich dazu entschied auf Fleisch zu verzichten und nur an besonderen Anlässen, wie an Weihnachten oder im Spanien-Urlaub zu essen, hatte ich große Schwierigkeiten meine Ernährung umzustellen. Das lag an mehreren Gründen. Einmal konnte ich es mir ohne mein geliebtes Schnitzel nicht vorstellen. Andererseits wusste ich aber auch überhaupt nicht, wie ich mir etwas zubereite, das alle primären Kriterien erfüllt:

  • das Hauptmahl muss gut verträglich sein, mehr noch, leicht stopfend.
  • Um auf die nötigen Vitamine und Nährstoffe zu kommen muss es gesund sein.
  • Es muss in der Zubereitung ohne Fett auskommen. Bratkartoffeln oder Süßkartoffelpommes zum Beispiel fallen also schon mal weg.
  • Aufgrund chronbedingter Unverträglichkeiten muss es laktose- und weizenfrei sein.
  • Der wichtigste Grund, an dem es oft scheiterte. Das tägliche Mahl muss schmecken. Und zwar so gut, dass ich die Speise täglich essen könnte, ohne dass sie mir irgendwann auf den Zeiger geht.

Früher habe ich mir halt Kartoffeln und Reis abgekocht. Äpfel und Bananen als Snack für zwischendurch. Aber jeden Tag nur Reis oder Kartoffeln als Hauptmahlzeit? Das macht auf Dauer unglücklich und man hält das nicht lange aus. Sprich immer wieder wurde ich rückfällig und aß auf was ich Lust hatte, zum Nachteil meines Crohn. Essen muss Spaß bereiten. Hat man doch sonst nicht viel, das man mit Morbus Crohn ohne Bedenken einfach so machen kann.

Die Erleuchtung

Irgendwann kam mir die Idee, dass die wichtigen Faktoren alle in einem Auflauf umsetzbar wären. Man muss ihn nicht mit Fett anbraten und er hat nicht nur viel Platz für gesundes Gemüse, sondern auch für Nährstoffreiches. Das Gemüse, die Basis und die Würzung könnte man variieren um etwas Abwechslung und Pepp reinzubringen. So begann ich mit Polentaauflauf. Zu Beginn schmeckte er nur bedingt. Aufgrund der erfreulichen Reaktion meines Darms, entschloss ich mich an den Zutaten und am Geschmack des Auflaufs zu arbeiten. Das war anfangs etwas schwierig, da ich ungeübt im Kochen großer Mengen war. Würzung und Zutatenverteilung mussten erst noch gefunden werden.

Seit nun einem Jahr nimmt mein Auflauf die 1-2 mal tägliche Hauptmahlzeit ein, neben meiner entzündungshemmenden Möhrensuppe. Man könnte sich fragen, “Wie kann man sich jeden Tag ungefähr gleich ernähren?” Aber es ist tatsächlich so, dass mir mein Auflauf den Spaß am Tisch zurückbrachte. Ohne geht nicht mehr und als chronisch Kranker ist es einfach toll ein tägliches Ritual zu haben, das einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert und einem gleichzeitig auch noch Krankheitssymptome abmildert.

Zutatenbeispiel für Gemüse-Auflauf im Herbst & Winter für 2 Tage:

  • 700g Kürbis (z.B. 450g Hokkaido & 250g Butternut)
  • 500g Kartoffel
  • 200g Fenchel
  • 150g Karotten
  • 70g Zucchini
  • 1,5l Wasser
  • 150g Couscous
  • 250g Reis
  • 500ml Waser
  • 1TL Curry
  • 1/8TL Kurkuma
  • 1,5TL Kümmel gemahlen
  • 3TL Meersalz gemahlen
  • 1TL Oregano
  • 1/2TL schwarzer Pfeffer gemahlen
  • verschiedene Käsesorten am Besten in dünne Scheiben geschnitten (zum Beispiel Bergkäse, Emmentaler, Esrom, Käsländer, Höhlenkäse). Diese Sorten sind im Normalfall aufgrund ihrer längeren Reifezeit laktosefrei. Bitte dennoch Hinweise auf der Verpackung beachten oder an der Frischetheke anfragen.

Gemüse-Auflauf Zutatenbeispiel im Frühling & Sommer

  • 600g Kartoffel
  • 300g Süßkartoffel
  • 300g Karotten
  • 250g Fenchel
  • 100g Zucchini
  • 50g Paprika

Alternativen zum Reis & Couscous: Bulgur, Dinkelflocken, Hirse, Polenta/ Maisgrieß, Quinoa

Zubereitung des Gemüse Auflauf:

1,5 Liter Wasser im 5 Liter Topf aufkochen. Gemüse schälen & kleinschneiden. Gemüse mit Oregano zusammen 40 Minuten bei niedriger Hitze köcheln lassen. Couscous hinzufügen und etwas rühren. Separat 250g Reis mit 0,5 Liter Wasser abkochen. Übrige Gewürze und abgekochten Reis dazugeben und rühren. 15 Minuten stehen lassen.

Die Auflaufmasse sollte nicht zu flüssig und etwas fester sein.  Masse nun, wenn sie die richtige Konsistenz hat, (ansonsten noch Reis, Couscous oder Wasser hinzugeben) in eine kleine Auflaufform füllen, mit Käse bedecken und 30-40 Minuten bei 200 backen.

Auflauf Konsistenz
Richtige Auflauf Konsistenz

Faustregeln:

  1. Der Topf sollte bis zur Hälfte mit Gemüse gefüllt sein.
  2. Gemüse und Gewürze können je nach Geschmack und Verträglichkeit variiert werden.
  3. Falls es sich umsetzen lässt, alle Zutaten in Bio Qualität verarbeiten um den Darm nicht unnötig zu belasten.

Fazit:

Mit meinem Auflauf-Rezept habe ich endlich wieder Freude und guten Geschmack zu Tisch gebracht. Der Auflauf enthält durch das Gemüse viele wichtige Vitamine. Die stopfende Basis aus Reis und Couscous liefern verwertbare Kalorien und Nährwerte und machen das Gericht gut verträglich, obwohl ich einige Zutaten, wie Käse, Paprika und Zucchini  einzeln nicht vertragen würde. Kurkuma, Kümmel, Oregano und schwarzer Pfeffer wirken entzündungshemmend und zeichnen sich durch weitere förderliche Eigenschaften aus. Der Auflauf war maßgeblich an meiner nötigen Ernährungsumstellung beteiligt. Aufgrund dieser Alltags- und Problemlösungen gehört dieses Rezept zu meinem täglichen Pflichtprogramm.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich bin ganz zufällig über dein Rezept gestolpert, als ich einen verträglichen Gemüseauflauf gesucht habe. Irgendwie fehlten mir die Ideen. Ich leide zwar nicht an Morbus Chron, aber an einer chronischen Gastritis und leider kann ich sehr viele Lebensmittel ebenfalls nicht vertragen. Dein Rezept ist aber super und wird diese Woche direkt mal ausprobiert 🙂 Danke dafür!

    Und: Ich finde es erstaunlich einfach, wie gut man sich von einem immerzu gleichen Speiseplan ernähren kann… Man hat keinen Stress und weiß, dass es einem danach nicht schlecht gehen wird. Das ist sehr erleichternd 🙂

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    • Huhu Mel!
      Freut mich, dass Du mein Auflauf Rezept ausprobierst. Das kann man sich nur schwer vorstellen, aber es ist tatsächlich eine Erleichterung jeden Tag das selbige zu kochen. Der Auflauf brachte mir wieder guten Geschmack zu Tisch. Variation bringe ich rein, indem ich Gemüse, Käse und Gewürze wechsel. Mein Special Tipp: 3-4 unterschiedliche Käse auf den Auflauf legen, so kommt nochmal mehr Spaß beim Essen. Am liebsten nehme ich Esrom, Havarti, Emmentaler oder Bergkäse.
      Lieben Gruß
      Dein Manuel!

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